Der Hahn erläutert unentwegt der Henne, wie man Eier legt
Autorin: Ella Carina Werner
Illustratorin: Juliane Pieper

Der Titel verräts schon: Es geht hier definitiv um eine feministische Sichtweise auf die Welt, wobei bei Weitem nicht nur das sogenannte Mansplaining (also die permanente Erklärsucht von Männern) seziert wird. Die Themenpalette der feministischen Tiergedichte reicht von der nie endenen Care-Arbeit, die immer noch hauptsächlich von Frauen geschultert wird, über den Gender Pay Gap bis hin zur Last mit der Menstruation und der Lust an der eigenen Sexualität. In kurzen, frechen und manchmal auch derben Reimen steckt viel bissig-heitere Kritik am Patriarchat ("Zum Erpel sagt die Ente: Ich kriege keine Rente. Sagt er, im Plauderton: Ich schon") und an verstaubten Rollenklischees. Aber es gibt auch wirklich Gute-Laune-machende Verse, die das Leben ganz befreiter "Weibchen" aus dem Tierreich beschreiben: "Im Haushalt macht Frau Schwalbe ungern halbe-halbe, sondern konsequent 0 %".
Warum Tiergedichte? Das erklärt Ella Carina Werner im Nachwort mit dem Titel "Mehr Östrogene ins Tiergedicht", das man übrigens am besten vor dem Durchblättern liest, denn hier erschließt sich, welche Anspielungen auf die Tierreime männlicher Vorgänger sich in den Kurzgedichten von Ella Carina Werner verstecken.
Die feministischen Tierreime wurden übrigens liebevoll, verspielt und krass bunt illustriert von Juliane Pieper, die mal im Bilderbuchstyle mal ganz punkig das Kopfkino in Gang setzt.
Erschienen im Verlag Antje Kunstmann
Autorin / Autor: Rosebuddy - Stand: 25. Februar 2025