Quinn ist gerade mit der Schule fertig und hat sich entschieden, an der renommierten Schreiber-Akademie Medizin zu studieren. Damit tritt sie in die Fußstapfen ihres Großvaters, der die Akademie damals selbst gegründet hat. Auch ihr Bruder Florin studiert dort seit zwei Jahren, und Quinn freut sich darauf, ihn wieder regelmäßiger zu sehen. Besonders da sie sich sonst von anderen Menschen fernhält. Leute kennenlernen und Freundschaften pflegen lohnt sich einfach nicht, wenn das eigene Leben ein Ablaufdatum hat. Denn Quinn weiß, dass sie bald sterben wird: Sie lebt seit 10 Jahren mit einem Spenderherz, das immer weiter verschleißt und wohl bald das Ende seines Lebenszyklus erreicht hat. Damals hatte Quinn großes Glück, und wie durch ein Wunder war das richtige Spenderherz zur richtigen Zeit verfügbar, doch sie weiß, dass sich das ganz sicher nicht wiederholen wird. Deshalb bereitet sie sich mental auf ihr eigenes Ende vor und findet sich mit dem Gedanken ab, alles hinter sich zu lassen. Bis dahin will sie besser verstehen, was in ihrem Körper passiert, und hat sich deshalb entschieden, Medizin zu studieren.
Doch kaum an der Schreiber-Akademie angekommen, passiert dort ein Mord: Der neue Rektor wird erschossen, die Studierendenschaft ist in Aufruhr. Quinn wird beinah Augenzeugin des Mordes, und kann nicht verstehen, wer ein Interesse am Tod des neuen Rektors gehabt haben könnte. In ihren ersten Wochen an der Akademie lernt sie auch einige Mitglieder der mächtigen Studentenverbindung Alpha kennen, zu der auch ihr Bruder gehört. Als sie sich breitschlagen lässt, die legendäre Party der Alphas zum Semesterstart zu besuchen, belauscht sie dort ein Gespräch zwischen ihrem Bruder und einer anderen Studentin, das ihr Rätsel aufgibt. Als kurz darauf ein weiterer Mord passiert, ist Quinn klar, dass an der Schreiber-Akademie dunkle Machenschaften von statten gehen. Alle Hinweise führen zu Quinns eigener Familie, der Gründerfamilie Schreiber. Was ist es, das Florin seiner Schwester verschweigt?
Noch bevor ich auch nur eine Seite gelesen hatte, hat mich das Buch bereits in seinen Bann gezogen. Allerdings nicht durch das Cover, das zwar hübsch anzusehen ist, sich aber kaum von anderen Büchern im Bereich Dark Academia abhebt, sondern durch den filigranen Farbschnitt, der durch die geometrischen Formen und Zeichen die teilweise astrologisch-okkult angehauchten Themen des Buches widerspiegelt.
Der Einstieg in die Geschichte war angenehm; auch wenn die Handlung unmittelbar beginnt, gelingt es der Autorin die Leserin so mit Hintergrundinformationen zu füttern, dass man von Anfang an gut mitkommt. Wer sich in einem Uni- oder Hochschul-Setting wohlfühlt, der wird hier voll auf seine Kosten kommen. Allerdings sollte man nicht zimperlich sein, was menschliche Körper und ihre Bestandteile angeht. Quinn studiert schließlich Medizin, und vom Studium der Todesursachen bis zur detailreichen Beschreibung des Präparierens von menschlichen Leichen erleben wir alles mit, was sie erlebt. Etwa im zweiten Drittel der Geschichte sind leichte Zweifel in mir aufgekommen: Zum einen wurde immer deutlicher, dass hier so etwas wie dunkle Mächte oder übersinnliche Kräfte im Spiel sind, was nicht unbedingt meiner präferierten Genre entspricht. Außerdem wurde mir klar, dass es sich aufgrund des Handlungsfortschritt in Relation zur Dicke des Buches um den Auftakt einer Reihe handeln muss. Das Buch hat sich bis zur Hälfte fast wie ein Prequel gelesen, das nur dazu dient, Charaktere vorzustellen, Beziehungen vorzubereiten und den Leser mit dem Setting vertraut zu machen. Dass es sich tatsächlich um den ersten Band einer Serie handelt, könnte sowohl im Titel als auch in der Covergestaltung deutlicher gemacht werden.
Ich muss allerdings auch zugeben, dass mich das letzte Drittel mit meinen zwei vorherigen Kritikpunkten versöhnt hat. Ob wirklich Übersinnliches vor sich geht, oder ob wir nur die Grenzen des heute medizinisch Möglichen etwas ausdehnen müssen, bleibt offen. Hier kommt nicht nur Spannung auf, sondern es werden die Voraussetzungen für eine wirklich fesselnde Fortsetzung geschaffen, auf die ich mich bereits freue. Ich bin gespannt wie es mit Quinn weiter geht! „Academy of Lies“ war für mich als Neuling im Bereich Dark Academia sehr angenehm zu lesen und hat mich neugierig auf mehr gemacht, auch wenn ich zwischendurch meine eigene Erwartungshaltung etwas korrigieren musste.
Erschienen bei Loewe
Autorin / Autor: lacrima - Stand: 24. Februar 2025