Deep Fake
Autorin: Cleo Konrad
Mira führt ein gutes Leben. Sie ist Lehrerin aus Leidenschaft, hat einen wundervollen Ehemann und zwei Söhne, die sie über alles liebt. Als sie einen Anruf von einer alten Schulfreundin erhält, die Mira dringlichst bittet, in ihr Heimatdorf Tannwinkel zu kommen, beschließt Mira, sie zu ignorieren – ihre Vergangenheit darf unter keinen Umständen noch einmal aufgewühlt werden. Doch dann geschieht etwas in ihrer Gegenwart, das ihr keine andere Wahl lässt: Ein Video taucht auf, in dem Mira nackt und in anzüglichen Posen zu sehen ist und das sich rasend schnell verbreitet. Es sieht täuschend echt aus, doch Mira hat so ein Video nie gedreht und weiß, dass jemand, der technisch sehr versiert ist, es gefaked haben muss. Voller Angst, alles zu verlieren, was sie sich aufgebaut hat, beschließt sie, Tannwinkel doch aufzusuchen. Schließlich ist die Freundin, die sie angerufen hat, ein Computer-Ass und Mira hegt den Verdacht, dass sie dahinterstecken könnte. In Tannwinkel angekommen merkt sie bald, dass die ganze Sache viel größer ist, als sie gedacht hat – und dass sie sich ihrer Vergangenheit endlich stellen muss…
„Deep Fake“ von Cleo Konrad ist ein echt solider Thriller! Man folgt als Leser_in nicht nur Mira durch die Gegenwart, sondern erfährt auch durch Tagebucheinträge von Katharina, Miras alter Schulfreundin, was in der Vergangenheit in ihrem abgeschiedenen Heimatdorf alles geschehen ist.
Das hat Abwechslung reingebracht und außerdem mochte ich beide Sichtweisen bzw. Erzählstränge sehr gern, weil die Figuren höchst authentisch und nachvollziehbar geschrieben waren. Das gilt auch für die Nebencharaktere: Es war einfach mal wieder so ein Buch, wo man die Figuren beinahe zu kennen glaubt, weil man sie beim Lesen so klar vor sich sieht. Tannwinkel kommt einem vor wie ein Hort des Schreckens, voller hinterwäldlerischem Denken, Vorurteilen und schlimmen Geheimnissen, und ich kann gut nachvollziehen, warum Mira nie wieder dorthin zurückkehren wollte. Der Spannungsbogen war grundsätzlich gut, aber etwas durchwachsen. Durch manche Seiten bin ich nur so durchgesprintet, an anderen Stellen hatte das Buch ein paar Längen, sodass ich mich ab und an etwas dazu motivieren musste, weiterzulesen.
Das Ende war absolut überraschend, ich hatte zuvor ständig jemand anderen im Verdacht aber nie den, der dann wirklich hinter allem steckte. Es war perfide, aber letztendlich auch sehr befriedigend, weshalb ich damit total zufrieden bin.
Die Vorstellung, dass in der heutigen Zeit eigentlich von jedem ein solches Deep-Fake-Video gepostet werden könnte, ist absolut gruselig. Allerdings fand ich persönlich, dass die Thematik des Videos an sich ein wenig zu kurz kam bzw. rasch in der Handlung unterging. Aber das lag vermutlich daran, dass in Tannwinkel dann so viel anderes passiert ist.
Nichtsdestotrotz habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt und empfehle das Buch gern weiter!
Erschienen bei Lübbe
Autorin / Autor: Sarah H. - Stand: 31. März 2025