Holz im Haar

Schwedische Forscher:innen haben eine nachhaltige Pflegespülung aus Lignin kreiert, ein Holzbestandteil, der in der Papierproduktion massenhaft als Abfall anfällt

Deine Haare verknoten beim kleinsten Windhauch, sind struppig und rau und ohne Conditioner gehts gar nicht? Die meisten Haarspülungen sind allerding die reinsten Chemiecocktails und nicht besonders umweltverträglich. Konventionelle Haarspülungen enthalten in der Regel 20 bis 30 Inhaltsstoffe, von denen viele aus Erdöl und oleochemischen Stoffen gewonnen werden. 

Wie es nachhaltiger geht, haben jetzt Forscher:innen unter der Leitung von Mika Sipponen von der Universität Stockholm vorgeführt. Sie haben einen nachhaltige Pflegespülung auf Basis von Holz entwickelt. Anlass für die ungewöhnliche Idee war die persönliche Erfahrung des Hauptautors der Studie, dass sich Haut und Haare nach einem Bad in einem braun-trüben See oft besonders weich und geschmeidig anfühlen. Grund dafür sind pflanzliche Polyphenole, ein solches ist auch Lignin. Die Forscher:innen untersuchen schon länger, was man mit Lignin alles anstellen könnte. Denn Lignin ist der zweithäufigste organische Stoff und fällt vor allem bei der Papierproduktion massenhaft als Nebenprodukt an und wird meist als Abfall verbrannt.

Die Forscher:innen mischten also Lignin mit Kokosöl und bearbeiteten damit naturbelassene oder durch Wasserstoffperoxid (Bleichmittel) behandelte Haare. Dabei wurde auch genaustens festgehalten, wie gut kämmbar die Haare danach sind. Dabei zeigte sich, dass nach der Behandlung mit Holzconditioner 13% weniger Kammkraft nötig war als ohne Conditioner. Weil Lignin die Eigenschaft hat, besonders gut an Oberflächen zu haften, hält es auch gut am Haar und macht es geschmeidiger. Die Mischung funktionierte im direkten Vergleich mit herkömmlichen Pflegespülungen genau so gut wie diese. Auch das Ausspülen mit kaltem Wasser klappte problemlos.

Da sehr viele Menschen solche Spülungen verwenden, wäre der Nutzen für die Umwelt groß, zumal ein Stoff dafür verwendet wird, der eigentlich als Abfall anfällt. Und wie schön wäre ein funktionierendes Pflegeprodukt, das aus nachwachsenden Rohstoffen besteht und eine minimale Zutatenliste hat. Bis das Produkt aber marktreif ist, wird es wohl noch eine Weile dauern, denn zunächst muss natürlich genau geprüft werden, ob die Verwendung von Lignin für Kosmetik gesundheitlich unbedenklich ist.

„Unsere Ergebnisse unterstreichen das Potenzial von Lignin als Stabilisator in Öl-in-Wasser-Emulsionen und ermöglichen einen natürlicheren und nachhaltigeren Ansatz für die Haarpflege“, sagt Mika Sipponen. „Durch die direkte Verwendung von aus Holz gewonnenem Lignin ohne chemische Modifikation vereinfachen wir nicht nur die Liste der Inhaltsstoffe, sondern machen auch organische Lösungsmittel überflüssig, was den Prozess umweltfreundlicher macht.“

Quelle

Was denkst du darüber?

Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 28. Februar 2025