Kreativität statt Plastikmix
Jedes Jahr warnen Verbraucherorganisationen vor Giftstoffen in Kostümen und Karnevalsschminke. Zeit für Kreativität und nachhaltige Kostümideen!
In ein paar Tagen startet der Straßenkarneval und die Karnevals- oder Faschingshochburgen werden wieder bevölkert von Pirat:innen, Prinzessinnen und den seltsamsten Kreaturen. Wer noch kein Kostüm hat, stürmt dann in die entsprechenden Kostümshops oder bestellt noch schnell eine Nylon-Robin-Hood-Ausstattung oder das tolle Elfenkostüm für 14,99 € aus übel riechendem Polyester.
Billige Karnevalskostüme, wie sie auch bei Temu oder Shein angeboten werden, haben zu Recht einen schlechten Ruf: sie enthalten allergieauslösende und krebserregende Schadstoffe, fangen leicht Feuer und überstehen oft nur mit Mühe die tollen Tage, bevor sie als problematischer Abfall in der Tonne landen. Auch die beliebten Accessoires - vom Plastikschwert bis zur Horrormaske - enthalten oft Weichmacher und andere problematische Stoffe. Oft macht sich die Schadstoffbelastung durch einen strengen Geruch bemerkbar, so dass man das Produkt ganz instinktiv nicht zu nah an sich heranlassen will.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt angesichts der zahlreichen Schadstoffe, die regelmäßig in Tests und Stichproben ausfindig gemacht werden, neu gekaufte Karnevalskostüme nicht auf der nackten Haut zu tragen und oder die Kostüme vor dem ersten Tragen zu waschen. Für Kinder sind zudem reine Kunststoffkostüme wegen der leichten Entzündlichkeit ohnehin nicht empfehlenswert.
Dass tonnenweise Plastikkostüme, Mikroplastik aus Glitter, Perücken und Schminke sowie die zigtausend verlorenen Billigbrillen, Pistolen und Hüte auch eine enorme Umweltbelastung darstellen, liegt auf der Hand. Den Verkleidungsspaß muss sich trotzdem niemand nehmen lassen, im Gegenteil ist ein selbstgemachtes oder originell zusammengestelltes Kostüm aus Vorhandenem und Alltagsgegenständen eine kreative Herausforderung, der ihr euch stellen solltet.
Nachhaltige Verkleidung? So gehts...
- Nutze Kostüme, die du schon hast
Dein Wolfskostüm hattest du letztes Jahr schon an? Dann verleihe es an deine Begleitung und gehe selbst als Gretel (Zöpfe, Schürze, roter Umhang, Korb - fertig). Oder setzte ein altes Kostüm in einen ganz neuen Kontext: aus der Braut wird eine Untote, das Engelchen bekommt Vampirzähne. - Setze deine vorhandene Kleidung in Szene
Stöbere in deinem Kleiderschrank und denen deiner Familienmitglieder und Mitbewohner:innen (wenn die das erlauben). Echte Pirat:innen haben schließlich auch nicht bei Temu eingekauft. Eine weite Bluse, eine umgekrempelte Jogginghose, ein rotes Tuch als Scherpe, dazu ein Kopftuch und ein goldener Ohrring? Fertig ist die Piratin. Und wäre ja gelacht, wenn nicht auch irgendwo eine Prinzessin, eine Hexe oder ein Zombie in deinem Schrank schlummert.
- Werde kreativ
Schau dich in der Wohnung um. Was fällt dir zu Alltagsgegenständen ein? Lässt sich aus dem Nudelsieb eine Kopfbedeckung improvisieren (fescher Aluhutträger? ;-)? Aus dem Fellimitat ein Steinzeit-Look kreieren? Taugt der schwarze Vorhang als Nonnenkostüm? - Kaufe Secondhand
In Secondhandläden und auf Flohmärkten findet ihr nicht nur Secondhand-Kostüme, sondern auch alle mögliche bunten, schrägen, ungewöhnlichen Klamotten, aus denen sich eine originelle und einzigartige Verkleidung zusammenstellen lässt. Von der Sixties-Queen bis zum Bad-Taste-Schrecken, vom Hippie bis zum Hooligan, hier werdet ihr bestimmt fündig oder bekommt zumindest eine Idee. - Leihe dir ein Kostüm
Es soll etwas Extravagantes sein oder du musst ein bestimmtes Motto bedienen? Frag in deinem Bekannten- und Verwandtenkreis, und wenn niemand dir weiterhelfen kann, halte nach einem Kostümverleih Ausschau.
- Macht ein Gruppenkostüm
Gruppenkostüme entfalten ihre volle Wirkung im Zusammenspiel mit anderen. Ober ihr als Buntstifte geht und jeder einfach nur ein andersfarbiges T-Shirt und einen entsprechenden spitzen Papphut trägt oder ob ihr einfach alle schwarz-weiß-gemusterte Kleidung tragt, der Effekt ist groß, auch wenn der/die einzelne gar nicht aufwändig kostümiert ist. Manchmal reicht schon eine einheitliche, auffällige Frisur oder grelle Kniestrümpfe. - Wer nähen kann, ist klar im Vorteil
Du nähst dir einfach selbst ein Kostüm? Perfekt. Nachhaltig wird es, wenn du vorhandene Kleidungsstücke dafür upcycelst oder Stoffreste verwertest. Wer sich aus 5 m neu gekauftem Pailettenstoff und tonnenweise Glitzersteinen ein Unterwasserkostüm näht, das ein einziges Mal getragen wird, gewinnt vielleicht einen Kostümwettbewerb, aber keinen Nachhaltigskeitspreis ;-). - Es muss was neues her? Achte auf Qualität!
Du willst dir unbedingt ein neues Kostüm kaufen? Dann achte auf die Herkunft, die Qualität und den Geruch. Nachhaltigkeitssiegel auf Kostümen sucht man eher vergeblich, aber die Informationen des Shops, der Waschzettel und der Preis geben erste Hinweise. Kaufe dir lieber ein etwas wertigeres Kostüm, dass du nochmal tragen oder weitergeben kannst, statt das superbillige Einmal-Wegwerf-Kostüm.
Und jetzt viel Spaß beim Karneval feiern!!
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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 24. Februar 2025