"Ein emotionaler Kraftakt"

Paula hat den Autor Colin Hadler interviewt

Welche Rolle spielt für dich das Thema Freundschaft in deinen Büchern?

Es gibt ja den Satz: "Familie kann man sich nicht aussuchen." Ganz im Gegenteil zu Freundschaften. Der eigene Vater ist vielleicht ein Schwerkrimineller und man fühlt sich ihm trotzdem irgendwie verbunden. Bei Freundschaften können wir viel bewusster unsere moralischen Grenzen ziehen, oder eben nicht. Genau das treibt mich in meinen Geschichten an. Wo sollte man diese Grenzen ziehen? Wie viel Täuschung kann eine Freundschaft ertragen? Welche Lügen sind wir bereit zu erzählen, wenn wir unsere Liebsten damit beschützen? Und kann eine Lüge mit schlechten Konsequenzen überhaupt etwas Gutes sein?

Welche Szene hast du besonders gern geschrieben? Gibt es eine, die dir sehr schwergefallen ist?

Es gibt im Buch eine längere Rückblende - die habe ich sehr gerne geschrieben, weil die Gruppe so eine tolle Dynamik entwickelt hat und ich mit dem Aufschreiben gar nicht hinterhergekommen bin. Außerdem war es für mich spannend, so viele Figuren gleichzeitig in einer Szene zu jonglieren. Schwer ist mir vor allem das Ende gefallen: Das Buch hat einen sehr langen Showdown, und sich jeden Tag wieder in die verzweifelten, gestressten Gefühle meines Protagonisten hineinzufühlen, war ein emotionaler Kraftakt. Für Leser:innen ist die Anspannung schnell vorbei - für mich zieht es sich wochenlang!!!

Man sagt, dass man als Autor jeder Figur etwas von sich selbst mitgibt; welche deiner Eigenschaften finden sich in Jonah und seinen Freunden wieder?

Die Nachdenklichkeit von Jonah, der Optimismus von Ruby, der Sarkasmus von Victor, die Ruhe von Samuel, das strategische Denken von Laurin, die Trotzigkeit von Jessica und die Abenteuerlust von Thea.

Wie echt können solche Deepfake Videos tatsächlich wirken? Worin besteht die Gefahr dabei, bzw. wie kann man sich davor schützen?

Ich habe ein paar Freund:innen zum Spaß ein selbstgemachtes Deepfake von mir geschickt. Damals habe ich geglaubt, dass jeder sofort merken würde, es ist ein Fake - aber nein. Fast zwei Drittel sind tatsächlich davon ausgegangen, das wäre ich. Und da ist in mir der Gedanke aufgekommen: Das, was ich mein Fake-Ich sagen habe lassen, war noch harmlos. Aber was, wenn das jemand anderes von mir erstellt? Mit einer schlimmen Botschaft? Da ist die Idee zu "Seven Ways to Tell a Lie" gereift. Die Gefahren zeige ich im Buch hoffentlich gut auf. Und wie man sich schützen kann ... hm, da musst du einen Experten fragen, keinen Thrillerautor! Ich mache die Dinge erstmal schlimmer :))

Meine letzte Frage wirst du und vielleicht auch alle, die das Buch inklusive Nachwort gelesen haben, schon vermuten können; bei welcher der Lügen über die Menschen in deinem schriftstellerischen Umfeld handelt es sich um eine Wahrheit?

Ich genieße und schweige. Die Auflösung kommt vielleicht im nächsten Nachwort. ;)

Vielen Dank für das Interview :-)

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